Der Mars war stets Projektionsfläche menschlicher Neugier, ein leerer Raum für Spekulationen, Sehnsüchte und Herrschaftsansprüche. Benannt nach dem römischen Kriegsgott, spiegelt er das anthropozäne Weltbild wider. In dieser Arbeit entwerfe ich sieben Monumente an mythisch relevanten Orten auf dem Mars — Orte, die in verschiedenen Kulturen mit Göttlichkeit, Macht und Kosmologie assoziiert werden. Doch kein Mensch war je dort.
Hellas, der ursprüngliche Name Griechenlands, ist in der griechischen Mythologie mit der Herkunft und Identität der Griechen tief verwurzelt. Der Name leitet sich von Hellen, dem mythischen Stammvater der Hellenen, ab, der als Sohn von Deukalion und Pyrrha die griechischen Stämme begründet haben soll. Die Mythologie Griechenlands prägte maßgeblich die Vorstellungen von Göttern, Helden und kosmischen Ursprüngen, die später das Fundament der europäischen Kultur bildeten. Hellas war nicht nur der geografische Ursprung, sondern auch der geistige, durch dessen Geschichten die Werte von Mut, Ehre und menschlichem Streben nach Erkenntnis weitergegeben wurden. In der Antike galt Griechenland als die Wiege der menschlichen Zivilisation, sodass das sich dort befindende Monument diese Ursprünglichkeit zum Ausdruck bringen soll. Es steht inmitten eines wie ein ausgetrocknetes Flussdelta anmutenden verzweigten Grabensystem und setzt sich aus linearen, abzweigenden Wasserschächten und einem kleinen Pavillion zusammen. Dieser markiert den Knotenpunkt der ersten Abzweigung des vermeintlich dort fließenden Wassers.
Hellas Planitia ist ein riesiges Einschlagsbecken auf dem Mars und mit etwa 2300 Kilometern Durchmesser eines der größten seiner Art im Sonnensystem. Es liegt in der südlichen Hemisphäre des Planeten und ist bekannt für seine extreme Tiefe, die es zu einem der tiefsten Punkte der Marsoberfläche macht. Die Region ist von wissenschaftlichem Interesse, da dort Hinweise auf frühere geologische Aktivität und möglicherweise vergangenes Wasser gefunden wurden, die Aufschluss über die Geschichte des Planeten geben könnten.
„Die Götter haben die Brunnen des Lebens vor den Menschen geheim gehalten." (Hesiod)
Utopia ist ein mythologisches Konzept, das eine ideale, harmonische Gesellschaft beschreibt, frei von Konflikten, Ungerechtigkeit und Leid. Ursprünglich von Thomas Morus in seiner Schrift Utopia geprägt, hat der Begriff sich zu einer universalen Idee entwickelt, die als Ziel für menschliches Streben nach Perfektion dient. In mythologischer und philosophischer Hinsicht repräsentiert Utopia einen unerreichbaren Ort, der dennoch als Inspiration für soziale und moralische Ideale dient. Utopien in der Mythologie und Literatur spiegeln oft nicht nur menschliche Sehnsüchte, sondern auch Kritik an den bestehenden gesellschaftlichen Verhältnissen wider. Sie dienen als Projektionsflächen für Visionen einer besseren Welt, deren Verwirklichung jedoch immer wieder durch menschliche Unzulänglichkeiten in Frage gestellt wird. Utopia versinnbildlicht Träume und Hoffnungen der Menschen, denn nur dieser besitzt die ausgeprägte Fähigkeit, vergangene Erfahrungen mit inneren Wünschen zu verknüpfen und daraus visionäre Pläne zu entwickeln. Das Monument an diesem Ort präsentiert sich als Aufstellung gespiegelter Treppen an einer seichten Kante. Sie repräsentieren die Aufwendigkeit zur Überwindung von gesellschaftlichen Konventionen und das Erklimmen von eigenen Erwartungen, wobei Auf- und Abstieg kaum näher aneinander liegen könnten.
Utopia Planitia ist eine ausgedehnte Ebene auf dem Mars, die als Teil eines der größten Einschlagsbecken des Planeten gilt und nördlich des Äquators liegt. Diese Region erlangte besondere Bedeutung, da hier 1976 die NASA-Landeeinheit Viking 2 landete und wichtige Daten über die Marsoberfläche sammelte. Utopia Planitia wird aufgrund ihrer geologischen Besonderheiten und des möglichen Vorhandenseins von unterirdischem Wasser oder Eis als vielversprechendes Ziel für die Erforschung der potenziellen Bewohnbarkeit des Mars betrachtet.
„Fortschritt ist nur die Verwirklichung von Utopien." (Oscar Wilde)
Prometheus ist ein Titan aus der griechischen Mythologie, der den Göttern das Feuer stahl und es den Menschen brachte, um ihnen Zivilisation, Wissen und Fortschritt zu ermöglichen. Für diesen Ungehorsam gegen Zeus, den obersten Gott, wurde Prometheus bestraft: Er wurde an einen Felsen gekettet, wo ein Adler täglich seine Leber fraß, die über Nacht nachwuchs. Prometheus symbolisiert den menschlichen Drang nach Wissen und Innovation, auch wenn dieser Drang mit großen Risiken und Opfern verbunden ist. Seine Bestrafung durch Zeus steht nicht nur für seinen Verrat an den Göttern, sondern auch als Mahnung, die Grenze zwischen göttlicher Macht und menschlichem Ehrgeiz nicht zu überschreiten. Fortschritt und Aufbruch als große Katalysatoren der Weltgeschichte werden als Turm repräsentiert, welcher aus der Marsoberfläche emporwächst, wie ein weiterer Vulkan, der sich ganz selbstverständlich zu diesen gesellt und doch künstlich erscheint. Die Menschheit hat seit jeher eine tiefe Verbindung zur Geometrie, die sie als Werkzeug verwendet, um Ordnung in das Chaos der Natur zu bringen und ihren Einfluss auf die Welt auszudrücken. In diesem Turm manifestiert sich die Dualität der Menschheit: einerseits das Bestreben, sich in die natürlichen Prozesse einzufügen, andererseits der unaufhörliche Drang, die Spuren des eigenen Fortschritts sichtbar zu machen.
Die Promethei Rupes sind ein markantes Klippengebiet auf dem Mars, das sich in der Nähe des Äquators im Osten des Planeten befindet, südlich der Tharsis-Region und westlich des großen Valles Marineris. Diese Formation erstreckt sich über mehrere tausend Kilometer und stellt ein bedeutendes geologisches Merkmal auf Mars dar, das durch tektonische Aktivitäten und Hebungen im Marsboden entstanden ist.
„Die Erde ist der große Felsen, woran die Menschheit, der eigentliche Prometheus, gefesselt ist und vom Geier des Zweifels zerfleischt wird." (Heinrich Heine)
In der griechischen Mythologie ist der Olymp der Sitz der zwölf olympischen Götter, darunter Zeus, Hera, Poseidon und Athene. Er wurde als majestätischer, oft wolkenverhüllter Berg vorgestellt, der unerreichbar hoch über der Welt thront. Auf dem Olymp sollen die Götter in prächtigen Palästen gelebt und die Geschicke der Menschen und der Welt gelenkt haben. Der reale Olymp, ein Gebirgszug in Griechenland, wurde in der Antike als heiliger Ort verehrt und eng mit den Göttern in Verbindung gebracht. Obwohl der Olymp der Sitz der Götter war, galten die Götter nicht als dauerhaft dort ansässig, sondern konnten die Erde und andere Orte im Kosmos besuchen. Der Olymp war ein mythologischer, kultureller Ort der Antike, dessen Bedeutung in Form eines Kolosseums gespiegelt wird. Das Kolosseum umschließt den Olympus Mons und lässt einen kulturellen Schauplatz entstehen, so wie es der Olympus oder auch das Kolosseum in der Antike waren. Beide waren symbolische Zentren für das römische Machtstreben und die Inszenierung von staatlichen Machtvorstellungen und öffentlichem Spektakel. Außerdem versinnbildlicht es die Agglomeration verschiedener kultureller Mythen und Traditionen, die über Jahrtausende gegenseitig angeeignet und integriert wurden.
Der Olympus Mons ist der größte Vulkan und höchste Berg im Sonnensystem, gelegen auf dem Mars, mit einer Höhe von etwa 21,9 Kilometern. Seine enorme Größe entstand durch langsame Lavaflüsse, die über Millionen von Jahren erstarrten, und er besitzt eine ausgedehnte Caldera an seiner Spitze. Eine Caldera ist eine große, kesselartige Vertiefung, die entsteht, wenn ein Vulkan nach einer gewaltigen Eruption in sich zusammenstürzt. Dabei wird die darunter liegende Magmakammer entleert, und der darüber liegende Boden gibt nach, wodurch ein breiter Krater oder eine Senke entsteht.
„Globalisierung: Die Welt wird zum Kolosseum." (Hans Ulrich Bänziger)
Cerberus stammt aus der griechischen Mythologie und gilt als Wächter des Hades, des Reichs der Toten. Er tritt in der Gestalt eines mehrköpfigen Wachhundes auf, der die Unterwelt bewacht und sicherstellt, dass keine Toten entkommen. Man stellte sich die Unterwelt als einen düsteren, abgeschiedenen Ort unter der Erde vor, wo die Seelen der Verstorbenen nach dem Tod verweilten. Der Eingang zur Unterwelt befand sich an geheimnisvollen, unbestimmten Orten auf der Erde, die meist Höhlen oder Schluchten zugeschrieben wurden. Einige glaubten, der Zugang könne sich im Westen am Rande der bekannten Welt befinden, wo die Menschen ins Reich des Hades gelangten. Der Übergang erfolgte durch den Fluss Styx, der den Eingang der Unterwelt begrenzte. Um diesen Fluss zu überqueren, brauchten die Toten die Hilfe des Fährmanns Charon. Dieser verlangte als Bezahlung eine Münze, meist einen Obolus, den die Angehörigen den Verstorbenen oft als Grabbeigabe unter die Zunge legten. Wer nicht bezahlen konnte, musste am Ufer des Flusses bleiben und fand keine Ruhe. Nach der Überfahrt traten die Seelen durch das von Cerberus bewachte Tor in die Unterwelt ein. Cerberus Fossae ist Ausdruck der zentralen philosophischen Bedeutung des Todes und der Transzendenz für jede Kultur der Weltgeschichte. Das Monument befindet sich unterirdisch entlang des Cerberus Fossae und erweitert diesen zur einer Hälfte längs als linearen Weg zur Unterwelt mit vielen angeschlossenen Wegen und Kammern.
Die Cerberus Fossae sind ein System langgezogener Spalten und Risse in der Marsoberfläche, das sich in der Region Elysium Planitia befindet. Sie entstanden vermutlich durch vulkanische und tektonische Aktivitäten und sind eine der geologisch jüngsten Formationen auf dem Mars, mit Anzeichen für periodische Wasser- oder Lavaflüsse.
„Das Hinabsteigen in die Unterwelt ist leicht." (Vergil)
Das Labyrinth ist in der Mythologie eine rätselhafte Struktur, die den Weg der Seelen symbolisiert — ein Ort der Prüfung und Transformation, an dem die Verlorenen durch Mut, Klugheit und Entschlossenheit den inneren Frieden und die Erkenntnis finden können. Es steht für die Reise durch das Chaos, auf der Suche nach Klarheit und einer höheren Wahrheit. In der griechischen Mythologie ist das Labyrinth untrennbar mit der Legende von König Minos und dem Minotaurus verbunden. Es wurde von Daedalus für König Minos von Kreta gebaut, um den Minotaurus — ein furchterregendes Mischwesen — darin einzusperren. Der Held Theseus, der in das Labyrinth geschickt wurde, konnte mithilfe von Ariadnes Faden seinen Weg hindurch finden, den Minotaurus besiegen und sicher entkommen, was das Überwinden von Chaos durch Mut und Intelligenz repräsentiert. In der ägyptischen Mythologie symbolisieren labyrinthartige Strukturen wie der Komplex von Hawara den Schutz vor Chaoskräften und den kosmischen Übergang, während in Asien labyrinthähnliche Mandalas den spirituellen Weg zur inneren Erleuchtung und Harmonie darstellen. Das Labyrinth symbolisiert Spiritualität und Orientierung als wichtige Pfeiler des menschlichen, irdischen Lebens. Durch eine komplexe, puzzleartige Struktur zieht sich das (geometrische) Labyrinth durch die Kluften des Noctis Labyrinthus.
Das Noctis Labyrinthus auf dem Mars ist ein gigantisches Netzwerk aus Schluchten, Spalten und Gräben, das sich westlich der Tharsis-Vulkanregion befindet und durch tektonische Spannungen entstanden ist. Es erstreckt sich über eine Länge von etwa 1.200 Kilometern und mehreren hundert Kilometern Breite.
„Es gibt nur einen Ausweg, wenn man einmal in ein Labyrinth geraten ist, das ist der Wille." (Fanny Lewald)
Das Elysium oder Elysion ist in der griechischen Mythologie der Ort, an dem tugendhafte Seelen Frieden finden. Es ist ein paradiesischer Ort im Jenseits, der den heldenhaften und von den Göttern bevorzugten Menschen vorbehalten ist. Es wird als eine wundervolle, friedliche Ebene beschrieben, voller ewiger Glückseligkeit, angenehmen Wetters und luxuriöser Natur.
Ursprünglich war es nur für wenige Auserwählte wie Helden und Halbgötter zugänglich, später entwickelte sich die Vorstellung, dass auch rechtschaffene Seelen diesen Ort erreichen konnten. Das Elysium wurde oft als Teil der Unterwelt beschrieben, jedoch als ein von Dunkelheit und Leid abgetrennter Bereich voller Licht und Glück. Dort lebten die Seelen in ewiger Jugend, genossen Musik, Tanz und die Gesellschaft von Gleichgesinnten. Später wurde es auch als „Inseln der Seligen" dargestellt, eine mythische Inselgruppe am Rand der Weltmeere. Der Fluss Lethe, der durch das Elysium fließt, lässt die Seelen, die von ihm trinken, alle Erinnerungen an ihr früheres Leben vergessen und bereitet sie so auf ein neues Dasein vor. Das Elysium symbolisiert Zeit und Unsterblichkeit als Fundamente der menschlichen Kultur und findet in seinen architektonischen Ausdruck als Reminiszenz an antike Rundtempel.
Die Region Elysium liegt nahe dem Marsäquator, nordöstlich der Tharsis-Vulkanregion, und erstreckt sich in der östlichen Hemisphäre des Planeten. Es ist eine vulkanische Region, die sich durch große Schildvulkane wie den Elysium Mons und umliegende Kraterlandschaften auszeichnet. Die Kombination aus gewaltigen Lavafeldern und Einschlagskratern macht diese Gegend zu einem Schlüsselgebiet für das Verständnis der vulkanischen und geologischen Vergangenheit des Planeten.
„Wenn das Menschsein alles ist, wozu braucht man dann das Elysium?" (Andreas Herteux, 2022)